28.06.2007 |
Aufmärsche sollen Stärke vermitteln" / Interview: Jan Raabe, Rechtsextremismus-Experte, über Aktivitäten der Freien Kameradschaften |
Neue Westfälische |
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Herford. Für den 30. Juni haben Neonazis der so genannten Freien Kameradschaften eine Demonstration in Herford angemeldet. Unter anderem wollen sie den in Herford inhaftierten Totschläger Sven Kahlin grüßen. Auf Einladung des von Stadt, Vereinen, Parteien, Kirchen und Initiativen getragenen "Herforder Bündnisses gegen rechts" informierte Jan Raabe, Experte in Sachen Rechtsextremismus vom Bielefelder Verein "Argumente und Kultur gegen rechts", über Geschichte, Themen und Aktionsformen der Kameradschaften. Am Rande der Veranstaltung sprach diese Zeitung mit dem Referenten. Freie Kameradschaften, autonome Nationalisten – was ist das für ein Personenkreis, der sich für den Aufmarsch angekündigt hat? Jan Raabe: Die genannten Gruppen sind in den 90er Jahren als Reaktion auf eine Reihe von Organisations- und Parteiverboten entstanden. In der Folge der damaligen rassistischen Ausschreitungen wurden die "Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei" (FAP), die in Bielefeld und Detmold ansässige "Nationalistische Front" (NF) und andere rechte Organisationen verboten. Die Nazi-Kader setzen seither auf kleine, lokal oder regional beschränkte Gruppen, die ohne feste Strukturen auskommen, nicht an eine Partei angebunden und kaum zu verbieten sind. Wie viele gibt es und was eint sie? Raabe: Wir gehen bundesweit von einem Netzwerk von etwa 200 dieser Zusammenschlüsse aus, die jeweils zwischen 10 und 30 Personen stark sind. Sie eint der Wille, einen nationalsozialistischen Staat zu errichten. Das Auftreten der Kameradschaften orientiert sich neuerdings auch an verschiedenen Jugendkulturen. Heißt das also, dass es sich dabei um ein Jugendproblem handelt? Raabe: Ganz eindeutig nicht. Soziologische Studien belegen, dass rechtsextreme Grundhaltungen bei Menschen jenseits der 50 deutlich stärker ausgeprägt sind als bei jungen Menschen. Junge Menschen agieren jedoch mehr in der Öffentlichkeit und werden daher stärker wahrgenommen. Einige der führenden Nazi-Kader der Region sind seit Jahrzehnten in verschiedenen Organisationen aktiv. Im Kreis Herford dürfte der Name des ehemaligen FAP-Aktivisten Markus Spilker, der 1992/93 in Schweicheln aktiv war, wohl ein Begriff sein. Unter anderem versuchte er, eine deutsche Sektion des rassistischen Ku-Klux-Klan zu gründen. Inzwischen ist er wieder verstärkt aktiv. Welche Rolle spielen rechte Parteien wie die Nationaldemokratische Partei? Raabe: NPD und Kameradschaften sind sich einig in ihrem Ziel, der Wiedererrichtung eines NS-Staates. Die Zusammenarbeit zwischen parteigebundenen Rechtsextremisten und Kameradschaften ist jedoch oft von Fragen der Taktik oder von der lokalen Kräfteverteilung bestimmt. Ein Beispiel ist der Vorsitzende des NPD-Kreisverbandes Herford, Jürgen Niemeyer. Offiziell distanziert sich die Partei, genauer die "Jungen Nationaldemokraten Herford", von der Demonstration. Niemeyer selbst ist aber regelmäßiger Teilnehmer an Aufmärschen der Kameradschaftsszene, hat enge Kontakte zum Collegium Humanum und war Teilnehmer der Holocaustleugner-Konferenz im Iran. Was treiben die Kameradschaften, wenn sie nicht gerade in der ostwestfälischen Provinz demonstrieren? Was macht sie attraktiv? Welche Rolle spielt die Aufmarschserie der vergangenen Monate? Raabe: Die Kameradschaften bieten den Jugendlichen eine ihren Bedürfnissen entsprechende Lebenswelt. Dabei ist alles erlaubt, was die Clique zusammenhält: Saufen, Konzertbesuche, Geländespiele, Sportveranstaltungen. Dabei ist jedes Element dieser Erlebniswelt hochgradig politisch aufgeladen. Bei einem regelmäßig im Raum OWL stattfindenden Fußballturnier wird selbstverständlich um den Rudolf-Hess-Pokal gespielt. Die Aufmärsche sind Teil dieser Aktivitäten, die die Gruppen festigen. Sie vermitteln, wenn sie erfolgreich sind, ein Gefühl der Stärke und der Gemeinschaft. Erfolgreiche Aktionen stärken die Position des "Führers" in der Szene. Umgekehrt sorgen blockierte oder missglückte Aufmärsche für Frust bei den Teilnehmern, der manchmal so weit reicht, dass einzelne Marschierer die Lust verlieren und gelegentlich ganz ihre Gruppierungen verlassen. Sie erteilen also den Strategien des Totschweigens oder Ignorierens eine Absage? Raabe: Ja sicher. Viele Menschen, die ihre Meinung zum Ausdruck bringen, widerlegen die Behauptung der Nazis, für eine schweigende Mehrheit zu sprechen, die es nur nicht wagt, sich zu ihren Ideen zu bekennen. Ich wünsche mir, dass die Nazis möglichst unverrichteter Dinge wieder nach Hause fahren und alle, die sich ihnen in den Weg stellen wollen, einen erfolgreichen Tag erleben werden. |
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26.06.2007 |
Neonazi-Aufmarsch in Herford / Mindener Aktionsbündnis unterstützt die beiden Gegendemonstrationen |
Mindener Tageblatt |
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Minden/Herford (mt/ani). Nach vier Demonstrationen in Minden wollen Neo-Nazis erneut in Ostwestfalen aufmarschieren: Diesmal in Herford und zwar am kommenden Samstag, 30. Juni. Das Aktionsbündnis "Minden gegen Nazis" ruft alle Einwohner Mindens und Umgebung auf, sich an den Gegendemonstrationen zu beteiligen. Den Informationen des Aktionsbündnisses zufolge beabsichtigen die Neo-Nazis, in Herford einen "Solidaritätsmarsch" zur Justizvollzugsanstalt zu machen, wo einige ihrer Gesinnungsgenossen einsitzen. Zu den Organisatoren zählen demnach erneut auch kriminelle "Kameraden" aus Schaumburg, die bereits für die Aufmärsche in Minden verantwortlich waren. Zwei Gegendemonstrationen sind geplant. Die eine, angemeldet von der "Antifaschistischen Aktion Herford", beginnt bereits um 9 Uhr mit einer Auftaktkundgebung auf dem "Alten Markt". Ab 10 Uhr wird sich hier ein Demonstrationszug durch die Innenstadt zum Bahnhof in Bewegung setzen, wo die Nazis sich versammeln wollen. Dort ist die Abschlusskundgebung für 12 Uhr vorgesehen. An einer nahen Stelle, dem Bahnhofsvorplatz gegenüber, an der Kreuzung Goebenstraße/Fürstenaustraße, versammelt sich das Bündnis "Herford gegen Nazis" zu einer Auftaktkundgebung um 11.30 Uhr. Ein Demo-Zug setzt sich von hier zum Theaterplatz in Bewegung, wo (in der Nähe der JVA) eine Zwischenkundgebung geplant ist. Anschließend geht es mit Besen zum Kehraus zurück zum Bahnhof. An fünf weiteren Standorten im geplanten Umfeld der Nazi-Route sind Mahnwachen angemeldet. |
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18.06.2007 |
Angriff auf Antifa-Stand |
Neue Westfälische |
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Vertreter der "Nationalen Offensive Schaumburg" haben am frühen Samstagmittag auf dem Alten Markt einen Info-Stand der Herforder Antifa-Gruppe angegriffen. Nach Angaben eines Sprechers waren die Schaumburger mit acht Leuten angerückt. Fünf von ihnen stahlen Flugblätter, mit denen die Antifaschisten für die Demonstration gegen den Aufmarsch der Neonazis am 30. Juni in Herford warben. Es kam zu einer Rangelei, bei der einer aus der Antifa-Gruppe zu Boden ging und sich leicht verletzte. Das bestätigt die Polizei. Sie nahm zwei Männer der "Nationalen Offensive" fest wegen Diebstahl mit Körperverletzung. Nachdem die Personalien festgestellt waren, wurden sie aus dem Gewahrsam entlassen. |
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1.06.2007 |
Unterstützung für rechte Kameraden / Mobilisierung von Nazis und Antifa für Demos |
Vlothoer Anzeiger |
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Herford (va). Die Veranstalter der für den 30. Juni in Herford geplanten neonazistischen Demonstration freuen sich über Unterstützung aus dem Umfeld der rechtsextremen "Nationaldemokratischen Partei Deutschlands" (NPD) und deren Jugendorganisation "Junge Nationaldemokraten" (JN). Unbeeindruckt von den Querelen innerhalb der rechten Szene ruft die Antifaschistische Gruppe Herford zu ihrer Gegendemonstration auf, die am Samstag, 30. Juni, um 9 Uhr mit einer Kundgebung auf dem Alten Markt beginnen und passend zur Versammlung der Nazis am Bahnhof ankommen soll. Da die Kooperationsgespräche der Polizei mit den Anmeldern noch ausstehen, kann sich die Route noch ändern. Auf www.herford-gegen-rechts.de gibt es aktuelle Informationen zum geplanten Naziaufmarsch und den Gegenaktivitäten. Derzeit sucht die Antifa in Schulen und auf der Straße den Dialog mit der Herforder Bevölkerung. "Besonders ältere Bürger äußerten ihr Unverständnis, dass den Nazis überhaupt das Demonstrieren erlaubt werde", schreibt die Antifa in einer Presseerklärung. Auch die Forderung nach einem Demonstrationsverbot sei laut geworden. Unabhängig davon informiert die Antifa Herford weiter über die Aktivitäten der Neonazis und die Gegendemonstration. |
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1.06.2007 |
Querelen unter den Kameraden / Mobilisierung von Nazis und Antifa für Demos läuft |
Neue Westfälische |
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Herford (NW). Die Veranstalter der für den 30. Juni in Herford geplanten neonazistischen Demonstration freuen sich über Unterstützung aus dem Umfeld der rechtsextremen "Nationaldemokratischen Partei Deutschlands" (NPD) und deren Jugendorganisation "Junge Nationaldemokraten" (JN). So sollen die JN-Stützpunkte Köln, Witten und Bocholt zugesagt haben, die Initiatoren zu begleiten. Anders sieht das nach Angaben des bundesweit bekannten Neonazi-Aktivisten Christian Worch der Herforder JN-Stützpunkt, der den Veranstaltern seine Unterstützung verweigert haben soll, da eine rechte Demonstration nur mit einer "absolut disziplinierten und ordentlich auftretenden Teilnehmerschaft" Sinn mache. Dies scheine bei den "zu erwartenden Teilnehmern ( ... ) nicht gewährleistet", heißt es weiter in dem Schreiben der JN Herford. Unbeeindruckt von den Querelen in der rechten Szene ruft die Antifaschistische Gruppe Herford zu einer Gegendemonstration auf, die am Samstag, 30. Juni, um 9 Uhr mit einer Kundgebung auf dem Alten Markt beginnen und passend zur Versammlung der Nazis am Bahnhof ankommen soll. Da die Kooperationsgespräche der Polizei mit den Anmeldern noch ausstehen, kann sich die Route noch ändern. Auf http://www.herford-gegen-rechts.de gibt es aktuelle Informationen zum geplanten Naziaufmarsch und den Gegenaktivitäten. Derzeit sucht die Antifa in Schulen und auf der Straße den Dialog mit der Bevölkerung. "Besonders ältere Bürger äußerten ihr Unverständnis, dass den Nazis überhaupt das Demonstrieren erlaubt werde", schreibt die Antifa in einer Presseerklärung. Auch ein Demonstrationsverbot sei gefordert geworden. Unabhängig von einer möglichen Verbotsverfügung wird die Antifa Herford weiterhin über die Aktivitäten der Neonazis und die Gegendemonstration informieren. |
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24.05.2007 |
Informationen gegen Rechts / Film über aktuelle Entwicklungen in der Nazi-Szene |
Neue Westfälische |
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| Herford (rab). Für den 30. Juni haben militante Neonazis aus dem Umfeld der so genannten "Freien Kameradschaften" eine Demonstration in Herford angemeldet. Die Antifaschistische Gruppe Herford hat inzwischen eine Protestdemonstration, mehrere Gegenkundgebungen und Mahnwachen entlang möglicher Aufmarschrouten angemeldet und ruft zum Protest gegen den Aufmarsch auf. Für Freitag, 25. Mai, lädt die Gruppe zur Vorführung des Films "White Terror" in das Jugendzentrum Die 9, Auf der Freiheit 9, ein. Beginn ist 18 Uhr. Der Dokumentarfilm wirft einen Blick auf die aktuelle Neonazi-Szene, die alte Symbole durch neue ersetzt hat. Überkommene Parteimodelle wurden durch lockere Zusammenschlüsse, die Kameradschaften, ersetzt. Die Szene vernetzt und finanziert sich über Verlage, Magazine, Vertriebe, Musikclubs und Internet. Anschließend informiert die Antifa über die Neonazi-Demo und mögliche Gegenaktivitäten. |
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23.05.2007 |
Neonazis wollen vor JVA aufmarschieren |
Radio Westfalica |
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Minden/Herford. Obwohl sie mit einem Bein im Gefängnis stehen, machen die Initiatoren der Mindener Neonazi-Aufmärsche weiter. Nun wollen die führenden Köpfe der selbst ernannten Nationalen Offensive Schaumburg in Herford auf die Straße gehen. Für Ende Juni haben sie unter anderem einen Vorbeimarsch an der JVA geplant. In dem Gefängnis sitzt einer ihrer Gesinnungsgenossen ein. Dieser hatte vor zwei Jahren einen Anhänger der linken Szene erstochen. Nun fordern die Rechtsradikalen seine Freilassung. Dabei müssen die Anführer der Schaumburger Neonazis selber fürchten bald hinter schwedischen Gardinen zu sitzen. Sie sind nach etlichen Bewährungsstrafen kürzlich zu Gefängnisstrafen verurteilt worden. Da sie aber Berufung gegen ihre Urteile eingelegt haben, bleiben sie noch auf freiem Fuß. |
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22.05.2007 |
Ein Aufmarsch der Kahlköpfe/ Neonazis planen Demo in Herford |
Herforder Kreisblatt |
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Herford (bex). Nach Bielefeld, Paderborn, Minden und Gütersloh ist jetzt Herford an der Reihe: Die "Nationale Offensive Schaumburg" sowie Neonazis aus dem Spektrum der "freien Kameradschaften" NRW haben für Samstag, 30. Juni, eine Demonstration in der Innenstadt angemeldet. Die linksgerichtete Antifa ruft zu einer Gegendemonstration auf. Die Anmeldung zur Demonstration der Neonazis war am Freitag per Fax bei der Polizei eingegangen. Am Montag hatte die Antifa die Gegenkundgebung angemeldet. Unter dem Motto "Gesinnungsparagraphen abschaffen! - Freiheit für alle nationalen politischen Gefangenen!" wollen die Neonazis ihre Solidarität mit "inhaftierten Kameraden" und Holocaustleugnern kundtun. Geplant ist auch eine Zwischenkundgebung an der Jugend-JVA (Eimterstraße), wo die Rechtsradikalen Grußbotschaften an die Gefangenen verlesen wollen. Adressat ist vor allem Neonazi Sven Kahlin, der seit zwei Jahren in der JVA Herford einsitzt. Der damals 17-Jährige hatte im März 2005 in Dortmund den Punk Thomas Schulz (32) erstochen. Er wurde zu einer Haftstrafe von sieben Jahren verurteilt. Die Neonazis wollen sich um 11 Uhr am Bahnhof treffen und über den Innenstadtring (Auf der Freiheit/Berliner Straße) ziehen. Ob diese Route genehmigt wird, muss die Polizei noch prüfen, ebenso weitere Auflagen für die Demonstrationsteilnehmer. "Die Chance allerdings, eine solche Demonstration komplett zu verhindern, ist gering", sagt Polizeisprecher Wolfgang Haase. Das hätten die Aufmärsche der vergangenen Monate in der Region gezeigt. Die Antifa-Gruppe Herford hat zu einer Gegendemonstration aufgerufen. Ihr Weg soll durch die Innenstadt zum Bahnhof führen. Unterwegs sind drei Mahnwachen eingeplant. Die Antifa Herford ruft alle Bürgerinnen und Bürger auf, gegen neonazistische Aktivitäten zu demonstrieren. Entsprechende Flugblätter wurden gestern bereits am Friedrichs- und Ravensberger Gymnasium verteilt. |
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